Rassenwechsel:
Wenn der "Rote Faden" in der eigenen Zucht fehlt, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Oft wird dann sogar die Rasse gewechselt.
Dort, wo früher braune Kühe standen, stehen heute (zu)oft anders farbige Kühe. Eine Entwicklung, welche zu denken geben muss.
Ein Hauptgrund könnte der fehlende "Rote Faden" in der eigenen Zuchtarbeit sein. Aber was ist damit gemeint?
Der "Rote Faden" ist eine Redewendung und steht für eine klare Strategie vom Anfang bis zum Schluss. Genau diesen "Rote Faden" ist auch für die Viehzucht von zentraler Bedeutung.
"Welche Voraussetzungen habe ich auf meinem Betrieb?" – "Welches Produktionssystem passt auf meinen Betrieb?" – "Welche «Kuh» brauche ich?" – "Welches sind daher meine Zuchtziele?"
Diese und weitere Fragen bilden den "Roten Faden".
Mit einem klaren "Roten Faden" kann eine erfolgreiche Zucht über Jahre oder sogar über Generationen aufgebaut werden.
Nichts Neues… Oder?
Eigentlich weiß dies jeder Viehzüchter, dass eine klare Zuchtstrategie das A und O ist. Aber warum greifen wir diesen «Roten Faden» hier auf?
In einer Agrarzeitschrift war neulich ein Artikel über einen BrownSwiss-Züchter, welcher sagte, dass ihm die BS-Tiere nicht mehr auf seinen Betrieb passten und er deshalb dies Rasse wechseln möchte.
Dieses Beispiel macht deutlich, dass der "Rote Faden" und somit eine klare Zuchtstrategie doch keine Selbstverständlichkeit ist.
Unser Artikel soll zum Nachdenken anregen und den einen oder anderen etwas "wachrütteln".
Wenn man mit dem Auto durch die Gegend fährt, dann sieht man, dass der Rasenwechsel wohl leider kein Einzelfall ist.
Aber was könnten die Gründe für einen Rassenwechsel sein?
Es gibt bestimmt mehrere Gründe für diese Entwicklung. Ein zentraler Grund könnte der erwähnte "Rote Faden" sein, welcher oft in der eigenen Zucht fehlt.
Es gibt viele Gründe, weshalb der "Rote Faden" in der eigenen Zucht reißen kann.
Sobald der Faden gerissen ist, entsteht ein Chaos, welches zu Enttäuschungen führen wird.
Es fehlt nun die klare Linie in der Zucht. Oft sind die Enttäuschungen derart groß, dass die Rasse gewechselt wird.
Der "Rote Faden"
Eine klare Betriebsstrategie, ein klares Zuchtziel und dann die konsequente Umsetzung wäre der "Rote Faden" für eine erfolgreiche Viehzucht.
Was heißt dies konkret?
Klare Betriebsstrategie:
Gerade in der Schweiz sind die Betriebe bez. Grösse, Topografie, Höhenlage usw. sehr unterschiedlich. Daher passt nicht jedes Produktionssystem auf jeden Betrieb. Deshalb ist es wichtig, dass genaustens überlegt wird, welches Produktionssystem auf dem eigenen Betrieb am besten passt. Neben persönlichen Neigungen muss das wirtschaftliche Interessen im Zentrum stehen.
Durch die unterschiedlichen Betriebsstrukturen sind auch die einzelnen Strategien und somit die Zuchtziele indiviuell.
Klares Zuchtziel:
Steht die Betriebsstrategie, dann muss die Frage gestellt werden, welche Eigenschaften muss meine Kuh mitbringen, um möglichst gut in meinem Produktionssystem funktionieren zu können. Aus deren Schlussfolgerungen wird das Zuchtziel abgeleitet.
Die konsequente Umsetzung:
Nun geht es auf die Suche nach der passendsten Genetik. Diese Suche kann äußerst vielseitig sein.
Nachfolgend eine kleine Auflistung, wie Sie zur passenden Genetik kommen könnten:
Grosses Schweizer KB-Angebot
Unsere beiden Genetikanbieter haben ein großes Angebot an Standard- und Reservationsstieren. Nutzen Sie diese Vielfalt!
Bewährte "Oldtimer"
Nachfrage bei den KB-Anbietern, ob noch Dosen von Altstieren vorhanden sind, welche sich auf dem Betrieb gut bewährt haben.
Ausländisches KB-Angebot
BS-Stiere gibt es bekanntlich nicht nur in der Schweiz. Erfahrungsgemäß können Dosen meistens mit wenig Aufwand Import werden.
Bei Fragen geben wir Ihnen gerne Auskunft: 079 921 98 19
Mögliche Genetikanbieter sind:
Rinderbesamung-Memmingen (Link)
Alpengenetik (Link)
BSG Besamungsstation Greifenberg (Link)
usw.
Wir geben Ihnen auch gerne Auskünfte über das ausländische Angebot (079 921 98 19 )
Aufzucht und Einsatz eines eigenen Stieres
Der Einsatz eines Natursprungstieres erweitert die züchterischen Möglichkeiten enorm und macht einem stückweise unabhängig gegenüber dem KB-Angebot.
Natursprungstiere einsetzten/austauschen zwischen gleichgesinnten Züchtern
Stierenmärkte sind eine von vielen wertvollen Plattformen, um Zuchtstiere auszutauschen zu können.
Ein Samendepot erstellen lassen (Hof oder KB-Station)
Wir geben Ihnen gerne Auskunft: 079 921 98 19
Halteprämien & Zuchtfamilien besuchen
Halteprämien & Zuchtfamilienschauen sind wichtige Schaufenster, um selbst ein Bild von der Genetik machen zu können.
Großes Potenzial!
Die Aufzählung ist selbstverständlich nicht abschließend.
Wenn die vorhandenen Möglichkeiten ausgenutzt würden, dann wäre der genetische Genpool und somit die Auswahl extrem gross.
Bei Fragen oder Unklarheiten stehen wir Ihnen als SHV gerne zur Verfügung.
Mut haben aus der Reihe zu tanzen
Wenn das eigene Zuchtziel konsequent verfolgt wird, dann darf man auch mit bestem Gewissen aus der Reihe tanzen.
Oftmals sind "Schönheitsideale" ein stark verallgemeinertes Zuchtziel, welches nicht auf jeden Betrieb passt. Dies gilt ebenfalls für Leistungsauszeichnungen, welche nicht nur von der Genetik, sondern auch von der Haltung und Fütterung abhängig sind.
Die gemachten Vergleiche können den vielen verschiedenen Betriebszuchtziele nicht gerecht werden. Die Antwort auf die Frage, wer SEIN Zuchtziel am besten erreicht hat, ist wegen den verschiedenen Betriebsstrategien kaum darzustellen.
Solange diese Tatsache im Hinterkopf bleibt, ist dies auch kein Problem.
Daher sind die vereinfachten, allgemeinen Zuchtziele für kompetitive Vergleiche zweckmäßig.
Nur "Schafe" laufen einander blind nach
Wer einen "Roten Faden" in der Zucht hat, der lauft auch nicht blind hinter gewissen Trends nach.
Wer sich jedoch wie ein "Schaf" verhält, der muss nicht erstaunt sein, wenn seine Kühe nicht mehr auf seinen Betrieb passen.
Derjenige soll dann nicht "blöken" und die Schuld der Rasse zuschieben, um dann die Rasse zu wechseln. Vielmehr soll er die Verantwortung bei sich, resp. bei seiner Zuchtstrategie suchen.
Wettbewerbe, Auszeichnungen und Ehrungen sind wichtige Instrumente in der Viehzucht. Jedoch dürfen diese keine falsche Anreize geben. Denn diese Wettbewerbe können der Vielfalt der betrieblichen Strategien und somit der einzelnen Zuchtzielen nie zu 100% gerecht werden.
Wer sein eigenes Zuchtziel konsequent verfolgt, kann aus dem üblichen "Raster" fallen und dadurch leer ausgehen. Mit dieser Tatsache muss man umgehen können.
Die Stierenhaltervereinigung nimmt ihre Verantwortung war
Wir, die SHV, machen uns stark für eine breite Vielfalt in der Braunviehzucht. Diese Vielfalt ist Voraussetzung, damit jeder Züchter sein eigenes Zuchtziel verfolgen kann. Dadurch wird er auch in Zukunft Freude an der braunen Kuh haben.
Anmerkung: Mit diesem Betrag möchten wir niemanden kritisieren oder sogar an den Pranger stellen. Unsere Absicht ist es, dass die Feststellungen der Züchterschaft auf den Tisch gebracht werden. Wir möchten auf gewisse Themen aufmerksam machen, sensibilisieren und Diskussionen anregen.
Unser gemeinsames Ziel muss sein, Fehler zu erkennen, um diese in Zukunft zu vermeiden. Gemeinsam möchten wir die braune Kuh weiterentwickeln und verbessern.
Autor: Thomas Müller, Landwirt & Agronom, SHV-Vorstandsmitglied