"Power-Kühe" sind stark und milchbetont!
Wie sieht eine gute Kuh aus? Dies ist eine Frage, welcher jeder Züchter etwas anders beantwortet.
Kürzlich wurde uns ein Artikel vom Magazin «Holstein International» zugestellt. In diesem Artikel ging es um die körperliche Stärke des Holsteinstieres O-Man. Insbesondere ging es in diesem Artikel darum, dass die Holsteinkuh wieder an Stärke, heisst Brustbreite, Brusttiefe, und Körperkapazität, zulegen soll.
In der Holsteinzucht ist der Begriff «Dairy Strength» bekannt. Doch was ist unter «Dairy Strength» zu verstehen?
Grob ins Deutsche übersetzte, heisst dies «Milchcharakter» und «Körperstärke». Das Thema Milchcharakter haben wir bereits einmal auf unserer Webseite thematisiert (Link zum Bericht). Kurz zusammengefasst ist eine Kuh mit viel «Milchcharakter» eine Kuh mit feinem Knochenbau, langen, offenen Rippen, welche schräg nach hinten gewinkelt sind. Diese Kuh hat einen feinen, weiblichen Kopf mit einem spitzzulaufenden Widerrist. Von der Seite her betrachtet, fallen diese Kühe mit einem Birnen-förmigen Körperbau auf. Heisst, dass diese Tier von der Hinter- zur Vorderhand schmäler werden.
Schon beinahe im Gegensatz dazu ist das Merkmal «Strength» (Stärke) zu verstehen. Starke Kühe haben eine breite und tiefe Brust. Sie haben einen kräftigen Kopf und kräftigere Gliedmassen.
Diese Kuh ist sehr fein im Knochenbau mit offenen und langen Rippen, welche stark gewinkelt sind. Markant ist auch ihren Birnen-förmigen Körperbau. Diese Kuh hat sehr viel "Dairy", sprich Milchcharakter. Die Dairy-Qualitäen müssen jedoch nichts über die Körperkondition (BCS) aussagen.
Dies ist eine Kuh mit viel "Strength" (Stärke). Sie zeichnet sich mit einer breiten und tiefen Brust aus. Sie ist äusserst robust gebaut. Das Ziel ist es, viel Stärke zu haben, ohne dabei "grob" zu sein.
Dass dies möglich ist, zeigt die Kuh Simbaboy Urina mit HL von 15'000 kg eindrucksvoll.
Mit dem kombiniertem Merkmal «Dairy Strength» wird versucht eine Kuh zu züchten, welche auf der einen Seite milchbetont ist, aber trotzdem genügend Stärke hat, um über viele Laktationen hohe Leistungen erbringen zu können. Anders formuliert, die Zucht auf «Dairy Strength» verhindert die Zucht auf extreme Kuhtypen.
Auffällig ist, dass viele der 100'000er Kühe die beiden Qualitäten "Dairy" und "Strength" aufweisen. Bild: Payssli Sipaya, welche aktuell bei 113'000 kg LL steht.
Im Gegensatz dazu ein junges Tier, welches weder Dairy, noch Strength aufweist. Auch ist im Vergleich zu den vorherigen Kühen die Körperkondition bei diesem Tier deutlich geringer.
Das Gute ist, dass "Dairy und Strength" oft bereits im Kalbesalter ersichtlich sind. Feine und breite Kälber deuten auf diese Eigenschaften hin. Somit kann "Dairy und Strength" u.a. beim Ankauf von Jungstieren bereits berücksichtigt werden.
Wie in der Einleitung erwähnt, züchten auch andere Rassen auf milchbetonte und breite Tiere. Daher dürfen wir als Braunviehzüchter und Stierenhalter den Anschluss nicht verpassen. Deshalb ist es wichtig, dass wir "Dairy und Strength" bei unserer Zuchtarbeit im Hinterkopf beahlten.
Anmerkung: Mit diesem Betrag möchten wir niemanden kritisieren oder sogar an den Pranger stellen. Unsere Absicht ist es, dass die Feststellungen der Züchterschaft auf den Tisch gebracht werden. Wir möchten auf gewisse Themen aufmerksam machen, sensibilisieren und Diskussionen anregen.
Unser gemeinsames Ziel muss sein, Fehler zu erkennen, um diese in Zukunft zu vermeiden. Gemeinsam möchten wir die braune Kuh weiterentwickeln und verbessern.
Autor: Thomas Müller, Landwirt & Agronom, SHV-Vorstandsmitglied