Ein zentrales Anliegen der Stierenhaltervereinigung ist der Erhalt der Blutvielfalt.
Dass diese genetische Vielfalt auch bei anderen Rassen wichtig ist, war neulich im «Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt» zu lesen.
Unter dem Titel «Varianz im Zuchtprogramm dringend gefragt» stand folgendes zur deutschen Fleckviehzucht:
"Nur eine bessere Verteilung der Besamungen auf mehrere Bullen, sowohl auf den Betrieben als auch im Zuchtprogramm, kann vermindern, dass solche (negative) Zuchtwertveränderungen ein nicht zu kalkulierendes Risiko darstellen und negativen Einfluss auf die züchterische Entwicklung nehmen.
Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigt auch die Topliste der genomischen Jungvererber. Fast zwei Drittel der Top-30-Bullen sind Enkel vom Ausnahmebullen Hashtag, fast die Hälfte wiederum Söhne von Heiss.
Natürlich ist anzumerken, dass diese Bullen genetisch absolut wertvoll sind für die Population und zurecht ganz oben auf der Liste stehen. Jedoch des Guten kann unter dem Gesichtspunkt der Varianz und der Verwandtschaft untereinander auch einmal einer zu viel sein.
Leider musste die Fleckviehzucht dies erst kürzlich leidvoll am Beispiel von Sputnik und Wirbelwind erfahren."
Quelle: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, Thomas Pfaller, LfL Tierzucht, Grub vom 22.8.2025
Link zum ganzen Originalartikel
Das sind Aussagen zu einer Problematik, welche dem einen oder anderen Braunviehzüchter bekannt vorkommen könnten.
Wie das Beispiel zeigte, können auch bei anderen Rassen hoffnungsvolle Jungstiere bei der Nachzuchtprüfung abstürzen.
Daher ist es wichtig, das Risiko zu streuen und auf mehrere Karten, resp. Stiere zu setzten. Gleichzeitig kann dadurch die Blutvielfalt breiter gehalten werden.
Bildquelle: Genetic-Austria (https://www.genetic-austria.at/de/fleckvieh/fleckvieh-genomisch-13560.html?id=121314&lng=deu)
Anmerkung: Mit diesem Betrag möchten wir niemanden kritisieren oder sogar an den Pranger stellen. Unsere Absicht ist es, dass die Feststellungen der Züchterschaft auf den Tisch gebracht werden. Wir möchten auf gewisse Themen aufmerksam machen, sensibilisieren und Diskussionen anregen.
Unser gemeinsames Ziel muss sein, Fehler zu erkennen, um diese in Zukunft zu vermeiden. Gemeinsam möchten wir die braune Kuh weiterentwickeln und verbessern.
Autor: Thomas Müller, Landwirt & Agronom, SHV-Vorstandsmitglied